Mittwoch, 21. Februar 2007
Marcin, Ewa, Iwona und all die Anderen
Namen, besonders aber Vornamen, dienen dazu, Menschen auch ohne ihrer stets angesichtig sein zu können zu unterscheiden, über sie zu berichten, ohne ihr Bildnis zeigen zu müssen, ihnen Briefe zu schreiben, die sonst niemand lesen soll. Vornamen sind ein Ausdruck eines gewissen Maßes an Individualität. In Deutschland hat man diese Lektion bereits hervorragend verstanden und gibt seinen Kindern Namen, die bereits von Beginn an deren spezielle Eigenschaften können, die sie entwickeln werden darstellen und zugleich aber nicht die traditonellen Namenskanon der Region, zumindest aber des Sprachraumes nicht verlassen. Demzufolge gehört Deutschland, zumindest Thüringen, seit einiger Zeit zum englischsprachigen Raum. Aus diesem Grunde ist auch keinesfalls verwunderlich, dass man dem doch recht eindeutigen Nachnamen Meier die nicht minder - aber anderweitig - eindeutigen Namen Jason Kilian voranstelle.* Auch Lucian ist ein ursprünglich aus der Gegend stammender Begriff, es hat ihn bloß vorher noch niemand verwendet. Und welche Eltern träumen nicht davon beim Rufen ihres Kindes eine ständige Referenz an den Herrn der kochenden Töpfe in der Unterwelt (a.k.a. Teufel a.k.a. Luzifer) mitschwingen zu lassen. Thrilling, isn't it?
Ähnliche Motive müssen Menschen bewegt haben, als sie ihrem Kind den klangvollen Namen Luke Jesse Frick verpassten? Zuviel "Gilmore Girls" gekuckt und den Namen Jess falsch aufgeschrieben?
Liebe würde ich jedenfalls selten als ernsthafte Ausrede gelten lassen. Selbstverwirklichung gepaart mit ernsthafter partieller oder gar noch weiter reichender geistiger Umnachtung kommt der Sache meiner Meinung schon eher näher. Die Verwirklichung von Vorstellungen, die sich in shit fucking and sucking old Thüringen und Umgebung nicht verwirklichen lassen, auch wenn, sehr unwahrscheinlich, Jesse irgendwann mal den "StarSearch", "DSDS" oder "Big Brother" gewönne und sich ein anglizierter Vorname ganz gut verkaufen ließe. Aber bis dahin und selbst danach klingt der Aufruf "Schindler, Emily Joell" beim Arzt und anderswo einfach scheiße! Oder soll Kassandra Alycja Höhne in irgendeiner Form auf mögliche Vorfahren im indischen Raum und Polen - zwei einander unmittelbar beeinflussende Kulturkreise (!) - hindeuten? Man weiß es nicht ...

Warum schreibe ich das eigentlich? Dumme Frage: Weil es auch keine Lösung des Problems in Polen ist! Fragt man hier nach Vornamen hat man statistisch gesehen eine extrem gute Chance, den Vornamen zu erraten. Anders als die Deutschen mit ihrem gottverd... Individualismus, der aus allen Nähten zu platzen droht, setzt man hier noch auf Kontinuität. Etwas zu stark sogar. Wo man auch hinschaut, alle Welt heißt Marcin, Jerzy, Pawel (der mit den Polnischen l, das mein Programm nicht mag!), Michal, Rafal, Radoslaw (alle ebenso), Andrzej, Stefan, Jan, Kazimierz (eher die Älteren) und Piotr. Das Ganze dann noch mit Diminutiven versetzt ergibt eine stark vorhersehbare Mischung. Bei den weiblichen Entsprechungen ist auch nicht anders. Maria, Marta, Magda, Malgorzata (schon wieder das L!), Anna, Ania, Alicja, Linda und so weiter. Der schönste und bisher mit Anstand am häufigsten gehörte Name ist immer noch: Iwona! Gefühlt jede dritte Polin die man kennenlernt trägt diesen unverwechselbaren Namen. Warum? Der einzige mir plausible Grund kann nur das deutsche Beispiel sein. Denn ein Luke Jesse Krzeminski oder eine Beyoncé Jaroslawska wären der Untergang des Polens wie wir es heute kennen. Und solange es Lech, Jaroslaw, Andrzej und Roman das Zepter schwingen können wird das auch (so zumindest) nicht passieren. Nichts anderes dürften auch ihre Wähler im Sinne gehabt haben als sie das Kreuz machten. Welches, das sei hier dahin gestellt, es macht keinen Unterschied.
Gott segne Polen! Falls er es bisher vergessen haben sollte.
* Alle Nachnamen geändert. Authentisch aber sind die Vornamen. Leider.

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Dienstag, 20. Februar 2007
Fragen aus dem Leben (2)
Wie war das mit der Heizung im Wohnheim? Man konnte sie nicht ausstellen? Jetzt geht's plötzlich doch. Oh Mann! Was man selber nicht in drei Monaten hinbekommt, macht der gute Arkadi in nur drei Sekunden mit einem Handgriff. Ja ja, diese Deutschen können auch nur meckern ... ts, ts, ts. Jetzt ist es jedenfalls wieder sehr angenehm in meinem Zimmer. Danke Arkadi!

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Abschiede ...
... sind ungefähr das Letzte, was man momentan brauchen kann, aber sie häufen sich. Gestern hat es pani Susan nicht mehr ausgehalten und die Reißleine gezogen. Um nicht noch einmal in einen Kaufrausch zu geraten (Teuflisch!) beschloss sie kurz und knapp, heute schon zurück nach Deutschland zu kehren. Wieder ein schmerzlicher Verlust, auch wenn sie irgendwie sehr erleichtert schien :-) Paare können schon nerven, besonders bestimmte! Przepraszam bardzo!
Immerhin, sie ließ sich nicht lumpen und lud noch mal zum opulenten Mahl bei Pizza Hut (Danke!), das später noch mit einen Eis beim Sohn von Herrn Donald (Na, wer war hier im Grundkurs Schottisch A1?) abgerundet wurde.
Zwischendurch wurde zur Feier des Tages noch einmal ein besonderes Schmankerl des polnischen Autorenkinos gereicht: "Swiadek Koronny. Milosc - Silniejsza niz Mafia" (Kronzeuge. Liebe - Stärker als die Mafia). Ja, der Name verrät es schon, hier wurden tiefgründige philosophische Fragen erörtert und mit unkonventionellen Mitteln ein origineller Film gemacht, der sich einreiht in den Kanon großer polnischer Filme wie "Pan Tadeusz", "Mis" und "Dekalog". Die Story - obwohl wir leider nur die Hälfte verstanden haben - war ungefähr so: Junger, gutaussehender Journalist verliert seine ebenfalls junge und gutassehende Fotojournalistenfrau, die noch dazu schwanger war (! - zum Glück waren sie schon verheiratet!) durch einen Autobombenanschlag der Polski Mafia. Besessen von der Rache an seiner Frau gibt er vor einen Film zu drehen über Kronzeugen gegen die Mafia, oder so. Unterstützt wird er dabei ... na? ... genau! ... von einer jungen und gutaussehenden Kamerafrau. Im Interview mit einem Kronzeugen und ehemaligen Mafiamitglied wird durch Rückblenden dessen Laufbahn und scheinbare unmittelbare Verstrickung in den Tod der völlig unschuldigen Frau des Journalisten erschlossen, der natürlich schon längst seine männliche Gunst (anders kann man die Distanz mit der es sie behandelt nicht erklären) der jungen und gutaussehenden Kollegin hat angedeihen lassen. Der Böse spielt eigentlich seine Rolle ganz gut, kriegt aber am Ende doch auf die Fresse. Völlig gegen alle Gewohnheiten verzichtet die polnische Staatsmacht aber auf eine Bestrafung unseres jungen und gutaussehenden Helden. Vielleicht, weil er so unheimlich toll aussah, mit seinem Bart? Man munkelt. Jedenfalls gehen am Ende wieder alle ihrer Wege und das neue Paar ist auch glücklich (irgendwie). Zwischendrin sind 'ne Menge Leute gestorben und einige gepflegte Schießereien in der Krakauer Innentadt durchgeführt worden.
Ob so viel neuer Erkenntnisse über das Leben waren wir froh, irgendwann wieder draußen zu sein.
Der Rest in Kürze: Susan verabschiedet und dann noch pani Ania zum Bus gebracht und sichergestellt, dass sie auch ja einsteigt und nach Hause fährt. Dann selber erst spazieren und danach nach Hause gegangen.

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Samstag, 17. Februar 2007
Besuchen sie Polen, hier werden sie gebeugt!
Am Freitag mussten wir zum wiederholten Male feststellen, dass in Polen wirklich alles was nicht reinen lateinischen Ursprungs ist gnadenlos gebeugt wird! Substantive und Adjektive, ohne Ausnahme. So heißt Angela Merkel im Genitiv hier schlicht Angeli Merkela und wenn man mich rufen möchte, dann nimmt man den unheimlich stylischen Vokativ: Philippie! Oder man polnischt den Namen erst mal ein und ruft Filipie bzw. Filipiu! Gesegnet, wer da maksimum (Höchstmaß), minimum (Mindestmaß) oder aluminium heißt. Der nämlich hat Glück gehabt und gilt als indeklinabel. Kann also nicht "geflext" werden. Klingt erst mal schlim ist es aber gar nicht. Für alle anderen aber heißt es: hinhören und aufpassen! Denn das, was wie ein hysterischer Aufschrei klingt könnte auch dein Name sein ...

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